Mittelmeerkrankheiten

Wir möchten euch hier über die sogenannten Mittelmeerkrankheiten informieren, um euch die Angst davor ein wenig zu nehmen.

Leishmaniose

Erreger:

Leishmanien sind Einzeller, sogenannte Protozoen. Sie vermehren sich in den weißen Blutkörperchen (hauptsächlich im Knochenmark) und schädigen innere Organe wie Leber, Milz und Nieren. In Europa ist der einzige Erreger “Leishmania infantum”. Die Inkubationszeit, also die Zeitspanne von der Ansteckung bis zum Auftreten von Krankheitsanzeichen, kann bis zu 9 Jahre betragen!

Überträger:

Übertragen werden die Leishmanien durch den Stich der Sandmücke. Wie bei den meisten Mückenarten saugen auch hier nur die Weibchen. Es gibt ca. 23 verschiedene Sandmückenarten von denen vor allem 3 als Hauptüberträger gelten. Phlebotomus perniciosus , Phlebotomus ariasi und Phlebotomus neglectus

Symptome:

Sie fallen bei Hunden sehr unterschiedlich aus. Gewichtsverlust, allgemeine Schwäche, Durchfall, Erbrechen, verstärktes Wachstum der Krallen, Haarausfall und Ekzeme können beobachtet werden. Beim Tierarzt wird dann meist noch eine Vergrößerung der Milz und Schwellung der Lymphknoten diagnostiziert. Äußere Anzeichen wie Hautveränderungen deuten auf eine fortgeschrittene innere Leishmaniose hin.

Besteht eine Gefahr für den Menschen?:

Leishmaniose ist eine Zoonose und kann durch den Stich der Sandmücke auf den Menschen übertragen werden. “Leishmania infantum” führt bei Erwachsenen meist nicht zu einem Krankheitsbild, außer bei bestehender Immunschwäche wie z.B. HIV-Infektionen. Diabetiker, Neurodermitiker, Schwangere, Senioren sowie Kinder bis zu fünf Jahren tragen ebenfalls ein erhöhtes Risiko, auch während des Urlaubs im Süden zu erkranken. Erkrankte Hunde sollten wegen der häufig auftretenden offenen Ekzeme keinen Kontakt zu dieser Risikogruppe haben. Der Übertragungsweg durch Wundsekret infizierter Hunde wird diskutiert. Eine Übertragung von Leishmanien durch Hundebisse ist selten, aber nachgewiesen. Gleiches gilt für die Übertragung durch den Deckakt. Eine Übertragung durch Blut oder Speichel ist unwahrscheinlich. Eine Übertragung von der werdenden Mama auf die Welpen (durch die Plazenta) ist häufig.

Therapie:

Eine Behandlung der Leishmaniose ist möglich, eine Heilung derzeit leider nicht. Daher gilt ein Leishmaniose-Patient als chronisch krank. Es bedarf regelmäßiger Blutkontrollen um wirksame Präparate gezielt einzusetzen. Eine Medikation ist allerdings nur bei einer Veränderung im Blutbild nötig. die Medikation legt der Tierarzt nach genauer Diagnostik fest, sodass der Hund optimal behandelt wird.

(Quelle: Parasitus Ex e.V., www.parasitus.com)

Babesiose (“Hunde-Malaria”)

Erreger:

Auch die Babesien sind Protozoen. Ähnlich wie der Erreger der menschlichen Malaria vermehren sich die Babesien in den roten Blutkörperchen und zerstören diese. Derzeit gibt es 3 bekannte Erreger der Babesiose beim Hund: Babesia Canis, Babesia vogeli und Babesia annae. Mittlerweile unterscheidet man zwei Babesia canis Varianten, den Frankreich- und den deutlich problematischeren Ungarn-Stamm. neu hinzugekommen ist der Erreger Babesia annae, welcher zu den kleinen Babesien gehört.

Übertragung:

Die Zeckenart Dermacentor reticulatus (Kuh-, Bunt- oder Auwaldzecke) und Rhipicephalus sanguineus (Braune Hundezecke) übertragen beum Blutsaugen Babesien auf den Hund. Repellierende spot-on-Präparate und Halsbänder wirken abweisend und tötend auf Dermacentor und Rhipicephalus-Zecken.

Symptome:

Etwa ein bis drei Wochen nach einem Zeckenstich setzt hohes Fieber ein. Dunkler Urin kann auftreten. Besonders in dieser akuten Phase führt die Babesiose unbehandelt häufig zum Tod des Tieres. Sind die ersten starken Fieberschübe überstanden, folgen Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und häufig Gelbsucht. Es können auch entzündliche Veränderungen der Augen sowie Netzhautablösungen auftreten. Im weiteren Verlauf kann das Zentralnervensystem geschädigt werden. Dann können Bewegungsstörungen und epileptische Anfälle auftreten. Letztlich folgt das chronische Stadium ohne klinische Symptome. Der Erreger hat sich mit dem Hunde “arrangiert” – der Hund bleibt nun lebenslanger Überträger und sollte daher behandelt werden.

Weder von Babesia canis, Babesia vogeli noch von Babesia annae geht eine Gefahr für den Menschen aus. In Nagetieren kommt der Erreger Babesia microti vor. Dieser kann auch für den Menschen gefährlich werden.

Therapie:

Abhängig vom Erregerstamm wird unterschiedlich mit einem Antiparasitikum behandelt. Je nach Erregerstamm sind spezielle Laboruntersuchungen zur Therapiekontrolle notwendig. die Therapie von Babesia annae ist schwierig. Hier werden Konzepte aus der Malaria-Therapie verfolgt.

(Quelle: Parasitus Ex e.V., www.parasitus.com)

Ehrlichiose:

Die Ehrlichiose wird in den letzten Jahren verstärkt bei Hunden diagnostiziert, die aus dem mediterranen Ausland kommen oder sich dort im Urlaub befunden haben. Symptome können auch Jahre nach dem Auslandsaufenthalt auftreten.

Erreger:

Der Erreger der Ehrlichiose ist “Ehrlichia Canis”. Ehrlichien gehören zu den Rickettsien und sind somit den Bakterien zuzuordnen. Sie befallen die weißen Blutkörperchen (Monozyen) und vermehren sich darin.

Überträger:

Die Ehrlichiose wird durch den Biss der Braunen Hundezecke übertragen. Die Braune Hundezecke ist ab Zentralfrankreich südwärts in allen europäischen Mittelmeerländern einschließlich Portugal zu finden.

Symptome:

Eine akute Ehrlichiose beginnt beim Hund meist mit Mattigkeit, Leistungsschwäche und Futterverweigerung. Nasenbluten ist ein Leitsymptom. Es werden auch punktförmige Blutungen in den Schleimhäuten und in der Haut beobachtet (sog. Petechien). Blut im Kot, Urin, Bluthusten und Blutergüsse in den Gelenken, sowie hohes Fieber und Lymphknotenschwellungen können vorkommen. Für die Blutungsneigung ist das Absinken der Blutplättchen (Thrombozyten) verantwortlich. Die chronische Ehrlichiose kann infolge zunehmender, ggf. auch über Jahre andauernder, schleichender Immunkomplexbildung zu einer Niereninsuffiziens und zum Tod des Tieres führen (“Silentkiller Effekt”).

Nach neueren Erkenntnissen ist die Ehrlichiose keine Zoonose und daher nicht gefährlich für den Menschen.

Therapie:

Akut erkrankte Hunde werden mit einem Antibiotikum behandelt. Hunde in der chronischen Phase werden labordiagnostisch (Blutbild, Elektrophorese)überwacht und ggf. bei Bildung von Immunkomplexen mit einem Immunmodulator behandelt. Liegt ein positiver Erregernachweis (PCR) vor, so wird zusätzlich mit einem Antibiotikum behandelt. Eine Erregerlimination ist meist nicht möglich.

(Quelle: Parasitus EX e.V., www.parasitus.com

Anaplasmose:

Erreger:

Der Erreger ist Anaplasma phagocytophilum. Die Anaplasmen sind Bakterien und gehören, wie die Ehrlichien zu den Rickettisien. auch sie befallen die weißen Blutkörperchen (jedoch die Granulozyten) und vermehren sich darin.

Übertragen wird die Anaplasmose durch den Stich des Holzbockes (Ixodes ricinus).

Symptome:

Die Anaplasmose ist eine der Ehrlichiose sehr ähnliche Erkrankung. Neben den bei der ehrlichiose bereits genannten Symptomen kann sich die Anaplasmose auch als unspezifische Erkrankung mit Fieber äußern. Weiterhin wird Teilnahmslosigkeit, Gewichtsverlust, Durchfall, Erbrechen, Kopfschiefhaltung, manchmal auch eine Lahmheit als Folge von Gelenkentzündungen beobachtet.

Eine Übertragung von Hund zu Mensch ist unwahrscheinlich, durch direkten Blutkontakt jedoch denkbar.

Therapie:

Erkrankte Hunde werden relativ kurz mit einem Antibiotikum behandelt.

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Auch Anaplasmose platys gehört zu den Rickettsien und befällt die Blutplättchen (die Thrombozyten).

Bei dieser Erkrankung treten alle Symptome wie bei der Ehrlichiose und der Anaplasmose phagocytophilum beschreiben auf.

Von Anaplasmose platys geht keine Gefahr für den Menschen aus.

Diese Anaplasmose wird durch den Stich der Braunen Hundezecke übertragen.

Zur Behandlung ist eine langandauernde Antibiose erforderlich, eine Erregerelimination ist fraglich.

(Quelle: Parasitus Ex e.V., www.parasitus.com

Rickettsiosen:

Rickettsien sind Bakterien mit überwiegend intrazellulärem Wachstum, die über diverse Parasiten (Läuse, Flöhe, Zecken oder Milben) übertragen werden und sowohl bei Menschen als auch bei Tieren verschiedene Infektionen hervorrufen können.

Durch Rickettsien entsteht das so genannte Mittelmeerfleckfieber. Es tritt in Südeuropa sowie im Mittleren Osten und Südafrika auf. Der Überträger dieser Krankheit ist die braune Hundezecke. Bei einer Infektion treten rund um die Einstichstelle Punktblutungen unter der Haut auf. Meist ein schwarzer Grund mit einem geröteten Hof.

Das Mittelmeerfleckfieber verläuft meistens eher harmlos und heilt spontan wieder aus. Es kann allerdings auch zu lebensbedrohlichen Blutungen z. B. in der Lunge, Leber oder im zentralen Nervensystem kommen. Typische Anzeichen sind hohes Fieber, Erbrechen, Apathie und rote Flecken auf der Haut.

Das Mittelmeerfleckfieber hat eine Inkubationszeit von ca. 1 Woche und kann mit Antibiotika wie z. B. Doxycycline oder Tetracycline gut behandelt werden.

Filariosen:

Mit dem Begriff “Filarien” (Fadenwürmer) werden Wurmarten zusammengefasst, die sich in unterschiedlichen Geweben/Organen ansiedeln. Die bedeutenste Filarienart beim Hund ist der Herzwurm, aber nicht der häufigste. Es treten vermehrt andere Arten auf, die sich im Bindegewebe, in oder unter derHaut oder in verschiedenen Organen ansiedeln. In Europa sind 6 verschiedene Filarienarten beim Hund bekannt.

Erreger:

Würmer, z.B. Dirofilaria immitis (Herzwurm) oder Dirofilaria repens (Hautwurm). Diese werden je nach ihrer Art zunächst als kleineklobige Larven über Stiche von Flöhen, Mücken oder Zecken ins Gewebe übertragen. Nach einer etwa 6 Monate langen Körperwanderung erreichen sie als Makrofilarien (=Adulte, also erwachsene Würmer) je nach Art entweder das Herz, die Lunge, andere Organe, das Bindegewebe oder die Haut. Diese Makrofilarien entlassen Mikrofilarien ind Blut, mit denen sich dann die Überträger beim Blutsaugen infizieren.

Überträger:

Filarien werden durch diverse Stechmücken sowie je nach Art auch durch Flöhe, Läuse, Lausfliegen oder Zecken übertragen.

Symptome:

Sie sind sehr unterschiedlich: bei einigen Arten gibt es gar keine Symptome, bei anderen können Husten, Gewichtsverlust, Schwäche, Atemnot, Hauterhebungen und Ekzeme auftreten.

Gefahr für den Menschen:

Die Filarienart Dirofilaria immitis kann bei immungeschwächten Menschen auftreten. Allerdings sind bislang in Europa nur sehr wenige Fälle beschrieben worden.Dirofilaria repens ist auch für den Menschen gefährlich.

(Quelle: Parasitus Ex e.V., www.parasitus.com)

Hepatozoonose:

Erreger:

Der Erreger der Hepatozoonose ist “Hepatozoon canis” und gehört zu den Kokzidien.

Überträger:

Der bekannte Übertragungsweg von H. canis erfolgt durch das Verschlucken/Zerbeißen von infizierten Zecken. Ist die Zecke im Darm angekommen bohren sich die Hepatozoen durch die Darmwand und gelangen über den Blutkreislauf in Milz, Knochenmark, Leber, Nieren und Lymphknoten. Scließlich werden die weißen Blutkörperchen befallen.

Symptome:

Die Symptome treten zyklisch auf. Allgemein werden Fieber, Blutarmut, Abmagerung, Lymphknotenschwellung, Augen-/Nasenausfluss und blutiger Durchfall beobachtet. Im winter ist ein Erregernachweis häufig nicht möglich. Die Krankheitsverläufe sind sehr unterschiedlich. Zu beobachten sind Gangsteifigkeit, neurologische Symptome und epileptische Anfälle. Das Auftreten von spontaner, kurz andauernder Aggressivität bzw. Verhaltensauffälligkeiten werden diskutiert. Beobachtet werden weiterhin Hunde mit permanentem Durchfall und intermittierendem Fieber. Todesfälle können auftreten.

Gefahr für den Menschen:

Von “Hepatozoon Canin” geht KEINE Gefahr für den Menschen aus!

 

Thelaziose (Orientalischer Augenwurm):

Diese Infektion wird durch die Fruchtfliege “Phortica variegata” übertragen – aber nicht über den Stich, sondern über die Eigenart dieser Fliege, Augensekrete mit dem Saugrüssel aufzunehmen. Dabei gelangen Larven auf das Auge. Im Tränenkanal und im Bindehautsack können sich diese Larven dann zu ca. 2 cm großen Würmern entwickeln.
Symptome:
Symptome sind tränende augen (ein- oder beidseitig), Binde- und Hornhautentzündungen, auch bakterielle Infektionen treten begleitend auf.
Therapie:
Zur Behandlung können makrozyklische Laktone eingesetzt werden..
(Quelle: Parasitus Ex e.V., www.parasitus.com)